„Save me“-Kampagne für die Aufnahme von Flüchtlingen in Jena
„Save me“-Kampagne für die Aufnahme von Flüchtlingen in Jena

„Als Flüchtling spürt man eine ständige Verunsicherung in sich. Du kannst die Depression in den Gesichtern der Flüchtlinge sehen. Zumindest kann ich das für die bhutanesischen Flüchtlinge sagen. Sie haben ihre Anmut verloren. Ich denke, ich sehe so aus.“ Diese Worte des bhutanesischen Flüchtlings Chet Nath beschreiben das Leid und die Not zahlloser politischer Flüchtlinge dieser Welt. Sie leben, oft für viele Jahre, eingepfercht in provisorisch errichteten Flüchtlingslagern und warten darauf, dass die Kriege und politischen und religriösen Verfolgungen in ihren Heimatländern enden. In Jena setzt sich seit einigen Monaten ein breites Bündnis aus Flüchtlingshilfsorganisationen und Menschenrechtsgruppen für eine Aufnahme besonders gefährdeter Personen ein. Amnesty International, das Aktionsnetzwerk gegen Rechtsextremismus, die Bürgerinitiative Asyl e.V., Refugio Thüringen und andere haben sich zum Jenaer „save me“-Bündnis zusammengeschlossen. Ein erster Erfolg ist ein Antrag im Stadtrat, der zurzeit im Hauptausschuss diskutiert wird. „Die Stadt Jena soll die Bundesregierung dazu auffordern, ein Aufnahmeprogramm für besonders gefährdete Flüchtlinge aufzulegen, wie es das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen schon seit Jahren fordert.“ erklärt Benjamin Höffling von Amnesty International. „Gleichzeitig soll sich die Stadt bereit erklären, im Rahmen eines solchen Programmes auch jährlich eine gewisse Anzahl an Flüchtlingen aufzunehmen.“ Die „save me“-Initiative Jena ist Teil einer bundesweiten Kampagne, die von vielen Menschenrechtsgruppen, Kirchen und Gewerkschaften unterstützt wird. „Save me“ macht sich deutschlandweit schon seit Jahren für ein Resettlementprogramm stark, also für die dauerhafte Aufnahme von besonders gefährdeten Flüchtlingen aus den Krisenregionen dieser Welt. Und das mit Erfolg: Schon 36 Städte und die Landtage von Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen stehen hinter den Forderungen von „save me“. Das Resettlementprogramm soll die bisherigen Aufnahmeprozeduren nicht ersetzen, sondern vielmehr ergänzen. „Die normalen Mechanismen des Asylrechts greifen erst, wenn ein Flüchtling in Deutschland angekommen ist. Im Allgemeinen heißt das, nachdem er die strapaziöse und gefährliche Reise hierher überstanden hat. Gerade besonders schutzbedürftige Personen, alleinerziehende Mütter oder Ältere Menschen etwa, schaffen es meist gar nicht bis hierher.“ erklärt Moritz Niehaus vom Jenaer „save me“-Bündnis. „Diesen Menschen kann in Deutschland eine Perspektive geboten werden.“ Die Vereinten Nationen haben viele Gruppen von Flüchtlingen als besonders gefährdet eingestuft, etwa junge Frauen, die in den großen Flüchtlingslagern der Gefahr sexueller Ausbeutung ausgesetzt sind, Angehörige religiöser und ethnischer Minderheiten, sowie Kranke und Behinderte, für die die schlechten Wohnbedingungen in den Lagern besonders unerträglich sind. Für diese sind die Resettlementprogramme gedacht. „Weniger als ein Fünftel der Flüchtlinge auf der Welt findet Aufnahme in den reichen Industrienationen des Nordens. Den Rest tragen die Entwicklungsländer. Das ist ein inakzeptabler Zustand.“ ist sich Luise Zimmermann vom Aktionsnetzwerk gegen Rechtsextremismus sicher. „Gerade Jena als weltoffene und tolerante Studentenstadt sollte hier ein Zeichen für internationale Solidarität setzen.“ Resettlementprogramme sind in vielen anderen Ländern schon seit langem üblich. Vor allem die Vereinigten Staaten, aber auch Australien, die Niederlande und die skandinavischen Länder nehmen Jahr für Jahr Flüchtlinge dauerhaft in ihren Ländern auf. Die Aktivisten von „save me“ sind sich sicher: das kann Deutschland auch! Und hier in Jena waren Gäste aus aller Welt schon immer gern gesehen.

